DIE MUTANTE

Idee und Text von Doris Schumacher
DO., 2. SEPT. 2021 | 19:30 UHR | KESSELHAUS PERNERINSEL HALLEIN
EINE SZENISCHE LESUNG IM RAHMEN VON YNSELZEIT

„Ich lasse mich nicht aufhalten. Ich schreibe meine Lebensgeschichte von nun an selbst. Her mit dem Papier.“ (Die MuTante)

Alles beginnt mit der Ursuppe. Wo sich die Schöpfungsgeschichte und die Wissenschaft gleichermaßen an den Beginn des Lebens herantasten, ohne genau zu wissen, was und wie es geschah. In der Ursuppe entstanden vielleicht die Viren, die „Sieger der Evolution“, die uns gerade das Leben so schwer machen.
SIE – ein Wesen, weiblich. Herkunft unbekannt. Zwängt sich aus dem Geburtskanal. Verfängt sich in ihrer DNA. Zweifelt von Anfang an. Ist lästig. Verlangt Antworten. Wer bin ich? Wer wäre ich, wenn ihr, die ihr mich gezeugt habt, andere wärt?
Kaum auf der Welt, probiert sie voller Schaffensdrang und Idealismus, ihre Träume zu leben. Sie will, wie Ikarus, der Sonne entgegen fliegen. Wer weiß, vielleicht hätte sie es geschafft. Sie stürzt ab. Fügt sich vorübergehend in ihr Schicksal, fügt sich den Erwartungen der Eltern. Aber nicht lang.

„Ich will eure Möglichkeiten nicht. Ich will eure Grenzen nicht. Ich will mich selbst erfinden.“

Die Reise beginnt. Sieben Tage, sechs Nächte. Am Ende erkennt sie, dass sie sich von den Erwartungen anderer befreien muss, und endlich lernt sie fliegen.
Die Mutante – das Virus, das sich ständig neu erfindet, das auf Reisen geht, seinen Wirt sucht, in diesen eindringt und die Zellen manipuliert. Ein Virus, das krank macht.
SIE: Eine Frau, die sich ständig neu erfindet. Der die Zelle nicht genug ist, die andere für sie bestimmt haben. Die auf Reisen geht, ihren Ort sucht, scheitert, sich verwandelt und schließlich heilt.
Mut-tante

Mit
Marion Hackl (Performance) https://lawinetorren.com/introducing-marion-hackl
Mareike Tiede (Stimme 1) https://mareiketiede.de
Wolfgang Oliver (Stimme 2) https://filmmakers.de/wolfgang-oliver
Nicole Baïer (Bühnengestaltung und Szenografie) https://atelierdemontage.wordpress.com/about-me/
Helfried Hassfurther (Sound Design und Technik)
Johanna Seelbach (Produktionsleitung)
Christa Hassfurther (Regie und Gesamtleitung)

Eine Produktion von theater bodi end sole

Theater spielen im virtuellen Raum?

Was in Workshops passiert, ist immer wieder erstaunlich. Menschen, die noch nie auf einer Bühne gestanden haben, geschweige denn eine künstlerische Ausbildung genossen haben, entwickeln eine Leidenschaft und Spontaneität in Spiel und Ausdruck, die mich begeistern. Spaß, Neugier und die Bereitschaft, alle Hemmungen und Zweifel hinter sich zu lassen, sind die besten Voraussetzungen für unerwartete Erfolgserlebnisse. „Man kann einfach machen, was man will, das ist total cool“, erzählt mir ein elfjähriges Mädchen nach einem Workshop. Und auch eine Teilnehmerin jenseits der sechzig stellt fest, wie wohltuend es ist, den Kopf auszuschalten und einfach drauf los zu improvisieren.

Dass das spontane Spiel einen geschützten Raum braucht, versteht sich von selbst. Und dass es um Interaktion geht – darum, mit Menschen, die ich vielleicht noch nie zuvor gesehen habe, in eine Spielsituation einzutreten – auch. Nur, wenn die Corona-Krise uns zu sozialen Einschränkungen zwingt, müssen wir darauf verzichten? Wie noch kreativ sein, wie spontan, wie unbeschwert?

Nach dem ersten Workshop per Videokonferenz kann ich sagen: Experiment gelungen. Sicher bietet die Alternative „virtueller Raum“ weitaus weniger Möglichkeiten für Interaktionen, als wenn sich eine Gruppe live in einem Theaterraum trifft. Kreativ und spontan sein kann ich aber auch zuhause im Wohnzimmer. Eine improvisierte Liebeserklärung an eine IKEA-Lampe, ein Interview mit einem Alien per ZOOM, eine spontane Verkaufspräsentation eines zweckentfremdeten Gegenstandes aus dem Alltag – nur drei von vielen Spielideen.

Kreativität in den Alltag zu integrieren ist eine hervorragende Art, immer wieder neue Räume zu öffnen und sich körperlich und geistig neu aufzustellen. Sich neu zu erfinden und spontan zu sein.

Ich erinnere mich an ein Projekt des Schweizer Künstlers Urs Lüthi, „Art for a better Life“. Exercise 11: „Stell dir vor, du bist ein Tourist in deiner normalen Umgebung.“

Das ist das Prinzip des Theaterspielens. Sich vorzustellen, jemand anderer zu sein und das Verhalten dementsprechend anzupassen. Stimme, Haltung, Mimik, Gestik.

Workshoptermine: 13. November (Zoom), 20. November (Zoom), 27. November (Zoom), 11. Dezember (Zoom). Anmeldungen per Mail an doris.schumacher@a1.net Veranstaltet von Theater bodi end sole